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Polterabend und JGA in der Schweiz: wer organisiert, was kostet es

Veröffentlicht: August 2026, 10 Min. Lesezeit

Polterabend und Junggesellinnenabschied werden oft in einen Topf geworfen, sind aber zwei verschiedene Anlässe mit unterschiedlicher Herkunft. Gemeinsam haben sie eine Regel: Das Brautpaar organisiert nichts und bezahlt nichts. Zuständig sind die Trauzeugen und der engste Freundeskreis. Der übliche Rahmen in der Schweiz liegt bei CHF 100 bis 250 pro teilnehmender Person, und der beste Zeitpunkt ist vier bis acht Wochen vor der Hochzeit, keinesfalls das Wochenende davor.

Polterabend oder JGA: was ist der Unterschied?

Der Polterabend ist der ältere, gemeinsame Anlass. Beide Partner feiern zusammen mit Familie, Nachbarn und Freunden, oft im Garten oder vor dem Haus. Namensgebend ist der Brauch, Porzellan zu zerschlagen, das die Gäste mitbringen, weil Scherben Glück bringen sollen. Das Brautpaar kehrt die Scherben danach gemeinsam auf, als symbolische erste gemeinsame Aufgabe. Wichtig für die Praxis: Glas und Spiegel werden nicht gepoltert, das bringt nach dem Brauch Unglück und ist ausserdem gefährlich.

Der Junggesellinnenabschied beziehungsweise Junggesellenabschied ist der jüngere, getrennte Anlass. Braut und Bräutigam feiern separat mit ihrem jeweiligen Freundeskreis. In der Schweiz hat sich dafür auch das Kürzel JGA eingebürgert, ebenso wie die Bezeichnung Polterabend teilweise für beide Formen verwendet wird.

PolterabendJGA
Wer feiertBeide gemeinsamGetrennt nach Partner
GästekreisFamilie, Nachbarn, Freunde, oft 30 bis 60 PersonenEnger Freundeskreis, meist 6 bis 15 Personen
OrtZuhause, Garten, QuartierAusflug, Stadt, teils Wochenende
DauerEin AbendEin Tag bis ein Wochenende
Kosten pro PersonCHF 30 – 60CHF 100 – 250, mit Übernachtung mehr

Viele Paare machen heute beides: einen JGA im kleinen Kreis und zusätzlich einen Polterabend, zu dem Nachbarn und weitere Bekannte kommen, die nicht auf der Hochzeitsgästeliste stehen. Das ist auch ein eleganter Weg, Menschen einzubeziehen, für die auf der eigentlichen Hochzeit kein Platz ist.

Wer organisiert und wer bezahlt

Die Organisation liegt bei den Trauzeugen, unterstützt vom engsten Freundeskreis. Das ist die Kernaufgabe des Amts, neben der Rede und der Unterstützung am Hochzeitstag. Das Brautpaar wird nicht gefragt und plant nicht mit, sonst ist es keine Überraschung mehr.

Beim Bezahlen gilt die verbreitete Regel: Die Teilnehmenden teilen die Kosten unter sich auf, inklusive des Anteils der Hauptperson. Braut oder Bräutigam zahlen an ihrem eigenen JGA nichts. Bei zwölf Teilnehmenden verteilen sich die Kosten der Hauptperson also auf elf Personen.

Der Punkt, an dem es regelmässig schiefgeht: Wer organisiert, sollte das Budget vorher offen kommunizieren, bevor gebucht wird. Ein Wochenende in Lissabon für CHF 500 pro Person ist eine schöne Idee, schliesst aber jene aus, die das nicht aufbringen können oder wollen. Fragt die Runde früh nach einer Obergrenze, statt später Absagen zu kassieren, die eigentlich Budgetabsagen sind.

Was die organisierende Person vorher klären muss

Der richtige Zeitpunkt

Vier bis acht Wochen vor der Hochzeit ist das übliche Fenster. Früher fühlt es sich losgelöst an, später wird es riskant.

Vom Wochenende unmittelbar vor der Hochzeit ist klar abzuraten. In dieser Woche stehen letzte Absprachen mit Dienstleistern an, die Sitzordnung wird finalisiert, und niemand möchte übermüdet oder mit einem Sonnenbrand vor dem Standesamt stehen. Auch für Verletzungen ist das ein denkbar schlechter Zeitpunkt.

Wenn ein grösserer Ausflug geplant ist, klärt die Organisation den groben Termin dennoch mit dem Brautpaar ab, ohne den Inhalt zu verraten. Ein gesperrtes Wochenende im Kalender ist kein Verrat an der Überraschung, ein Terminkonflikt mit dem Traugespräch dagegen unnötig.

Ideen, die in der Schweiz funktionieren

Die Faustregel für ein gutes Programm: eine gemeinsame Aktivität als Kern, davor oder danach etwas zum Essen, und genügend Zeit zum Reden. Ein durchgetakteter Tag mit sechs Programmpunkten ist anstrengender als erinnerungswürdig.

Draussen

Drinnen und in der Stadt

Polterabend zuhause

Der klassische Polterabend braucht wenig: Grill oder Raclette, Getränke, Festbänke und eine Ecke, in der gepoltert werden kann. Wichtig sind die praktischen Dinge, die gerne vergessen gehen: Kehrschaufel und Besen bereitstellen, feste Schuhe empfehlen, die Nachbarn vorab informieren und die kantonale beziehungsweise kommunale Nachtruhe im Blick behalten. In vielen Gemeinden beginnt sie um 22 Uhr.

Was fast nie gut ankommt: Peinliche Aufgaben in der Öffentlichkeit, Verkleidungen, die blossstellen, und Verkaufsaktionen auf der Strasse. Was in Erinnerung bleibt, sind gemeinsame Erlebnisse, nicht Fremdscham. Im Zweifel gilt: Wenn die Hauptperson es nicht selbst vorschlagen würde, lasst es weg.

Budget realistisch planen

VariantePro PersonEnthalten
Polterabend zuhauseCHF 30 – 60Essen, Getränke, Dekoration
Tagesausflug in der SchweizCHF 100 – 180Aktivität, Verpflegung, Anreise
Wochenende in der SchweizCHF 250 – 400Zwei Tage, Übernachtung, Aktivitäten
Städtetrip ins AuslandCHF 400 – 700Flug, Unterkunft, Programm

Denkt daran, dass viele Teilnehmende auch zur Hochzeit selbst kommen, ein Geschenk beitragen und je nach Rolle noch Kleidung oder Anreise finanzieren. Die Summe aus JGA, Geschenk und Hochzeit wird schnell hoch. Ein günstigerer JGA ist deshalb oft die rücksichtsvollere Wahl, gerade in gemischten Freundeskreisen.

Wenn beide getrennt feiern

Bei getrennten Anlässen lohnt sich eine minimale Abstimmung zwischen den beiden Organisationsteams. Nicht um dasselbe zu machen, sondern um zwei Dinge zu vermeiden: den gleichen Termin, falls Gäste zu beiden Kreisen gehören, und ein starkes Ungleichgewicht bei den Kosten. Wenn eine Seite ein Wochenende in Porto plant und die andere einen Grillabend, entsteht schnell das Gefühl, es sei unterschiedlich viel Mühe investiert worden.

Was sich bewährt hat: ein gemeinsamer Abschluss. Beide Gruppen treffen sich am Abend am selben Ort, nach getrenntem Tagesprogramm. Das gibt dem Anlass einen runden Schluss und verhindert, dass es zwei völlig getrennte Erzählungen gibt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Polterabend und JGA?

Der Polterabend ist der gemeinsame Anlass beider Partner mit Familie, Nachbarn und Freunden, traditionell mit Porzellanscherben. Der Junggesellinnen- oder Junggesellenabschied ist der getrennte Anlass im engen Freundeskreis, oft als Ausflug oder Wochenende. Viele Paare machen heute beides, weil der Polterabend auch Menschen einbezieht, die nicht auf der Hochzeitsgästeliste stehen.

Wer organisiert den Polterabend oder JGA?

Die Trauzeugen, unterstützt vom engsten Freundeskreis. Das ist neben der Rede und der Unterstützung am Hochzeitstag die Kernaufgabe des Amts. Das Brautpaar organisiert und bezahlt nichts und wird idealerweise nur zum groben Termin befragt, damit es keine Terminkonflikte gibt.

Wer bezahlt den Junggesellinnenabschied?

Die Teilnehmenden teilen die Kosten unter sich auf und übernehmen dabei auch den Anteil der Hauptperson. Braut oder Bräutigam zahlen am eigenen JGA nichts. Am einfachsten ist ein gemeinsamer Topf, in den alle vorab einzahlen. Wichtig ist, den Budgetrahmen früh offen anzusprechen, bevor gebucht wird.

Wann findet der Polterabend statt?

Vier bis acht Wochen vor der Hochzeit ist das übliche Fenster. Vom Wochenende direkt davor ist abzuraten: In dieser Woche stehen letzte Absprachen mit Dienstleistern und die Sitzordnung an, und niemand will übermüdet, sonnenverbrannt oder verletzt vor dem Standesamt stehen.

Was kostet ein JGA in der Schweiz?

Ein Polterabend zuhause liegt bei CHF 30 bis 60 pro Person. Ein Tagesausflug in der Schweiz kostet CHF 100 bis 180, ein Wochenende CHF 250 bis 400, ein Städtetrip ins Ausland CHF 400 bis 700. Bedenkt, dass viele Teilnehmende zusätzlich zur Hochzeit kommen und ein Geschenk beitragen.

Was wird beim Polterabend gepoltert?

Porzellan, das die Gäste mitbringen. Scherben sollen nach dem Brauch Glück bringen, und das Brautpaar kehrt sie gemeinsam auf, als symbolische erste gemeinsame Aufgabe. Glas und Spiegel werden nicht gepoltert, das gilt als Unglück und ist ausserdem gefährlich. Kehrschaufel, Besen und feste Schuhe gehören zur Vorbereitung.

Muss man einen Polterabend machen?

Nein. Weder Polterabend noch JGA sind Pflicht, und beide fallen bei vielen Paaren bewusst weg, etwa aus Zeit- oder Budgetgründen. Wer nichts Grosses möchte, kann auch einen gemeinsamen Abend mit den engsten Freunden daraus machen. Entscheidend ist, dass sich das Brautpaar damit wohlfühlt.

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